Die RWTH kooperiert mit der Berliner Kiron University, um Flüchtlingen mittels Online- und Präsenzstudium einen Hochschulabschluss zu ermöglichen.

Viele der in den letzten Monaten nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge sind an einer akademischen Ausbildung interessiert und besitzen dafür auch die nötigen Voraussetzungen. Doch um Hochschulbildung in Anspruch nehmen zu dürfen, müssen sie viele bürokratische Hindernisse überwinden. Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sind fehlende rechtliche Dokumente, eingeschränkte Kapazitäten der Bildungseinrichtungen, Studiengebühren und Sprachbarrieren dabei die Hauptschwierigkeiten.

Die Berliner Kiron University möchte diese Barrieren abbauen. Ihr Angebot ist gebührenfrei, unbürokratisch und zunächst standortungebunden. Studierende haben zwei Jahre Zeit, fehlende Dokumente nachzureichen. Für den Anfang genügt ein Nachweis der Identität und des Status als Asylsuchenden. Die Flüchtlinge haben dadurch die Gelegenheit, die Zeit ihres Aufenthaltes sinnvoll zu gestalten. Mithilfe sogenannter Massive Open Online Courses (MOOCs) namhafter Universitäten wie Harvard oder Yale, aber auch deutscher Hochschulen, können die Studierenden die ersten beiden Jahre ihres Studiums online lernen. Für das dritte Jahr wechseln sie zu einer Partnerhochschule. Eine diese kooperierenden Universitäten ist die RWTH Aachen.

„Die Integration von Flüchtlingen halten wir für eine wichtige Aufgabe in der momentanen Situation“, sagt RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg über die Zusammenarbeit. „Bildung ist für mich persönlich dabei ein entscheidender Faktor für die Integration.“ Diese könne und müsse den Flüchtlingen einfach, intelligent und pragmatisch zur Verfügung gestellt werden. „Wir haben an der RWTH seit Jahren eine überdurchschnittliche Quote ausländischer Studierender und hervorragende Absolventen unter diesen“, fügt der Prorektor für Lehre an der RWTH Aachen, Prof. Dr. Aloys Krieg, hinzu. „Wenn wir es zusammen mit der Kiron Universität schaffen, weitere von ihnen in unsere Universität zu integrieren, werden wir gerne die entsprechenden Wege schaffen.“

MOOCs mit Untertiteln in der jeweiligen Sprache

Die Kiron University arbeitet mit Plattformen wie edX, iversity oder dem Hasso Plattner Institut zusammen. Die Kurse werden mit den neusten E-Learning-Technologien zu Lernmodulen kombiniert, die nach Bedarf mit Untertiteln in der jeweiligen Sprache versehen werden können. Weitere Sponsoren beteiligen sich an Hard- oder Software, die bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden kann. Wert legt die Kiron University zudem auf soziale Inklusionsinnovationen während ihres Online-Studiums. So sollen Flüchtlinge beispielsweise durch ein Tutorenkonzept an den Partneruniversitäten ermächtigt werden, selber als Lehrkräfte der Kiron University und an den Partneruniversitäten mitzuwirken. Durch ein Mentorensystem haben Flüchtlinge zudem dauerhaften Kontakt zu Einheimischen, mit denen sie beruflich sowie privat einen Austausch auf Augenhöhe führen können. Neben den Online-Kursen bietet Kiron auch Sprach- und Vorbereitungskurse sowie weitere Maßnahmen wie psychosoziale Beratung an, die speziell auf die aktuelle Situation der Flüchtlinge zugeschnitten sind.

400 Kurse in fünf Studiengängen

Durch die Zusammenarbeit mit den bislang 15 internationalen Hochschulen können rund 400 Kurse in fünf Studiengängen angeboten werden, darunter Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Architektur und Cultural Studies. „Flüchtlinge haben einen langen Weg hinter sich und einen spannenden vor sich: Sie bilden ein unglaubliches Potenzial für unsere Wirtschaft, vor allem hinsichtlich des zukünftigen Ingenieurmangels“, sagt Prof. Dr. Malte Brettel, Prorektor für Wirtschaft an der RWTH Aachen. „Flüchtlingen direkt die Chance zu geben, über Online-Kurse zu lernen, um sie später in unser Studium zu integrieren und an die Wirtschaft heranzuführen, kann für uns alle nur ein Herzenswunsch sein.“

Insgesamt sind bei der Kiron University schon über 15.000 Bewerbungen eingegangen. Im Oktober starten die ersten Kurse mit den neuen Erstsemestern.

Quelle: zhv.rwth-aachen

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