Tagung an der JGU betrachtet indigenes Leben vor dem Hintergrund von Siedlerkolonialismus in den USA und Kanada

Die Beschäftigung mit den indigenen Nationen Nordamerikas stellt am Forschungs- und Lehrbereich Amerikanistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) einen wichtigen Schwerpunkt dar. Nun wird sich demnächst eine internationale Konferenz mit dem Verhältnis der indigenen Nationen auf dem nordamerikanischen Kontinent zu den Staaten USA und Kanada befassen, wobei ein Fokus auf die Rolle der USA und Kanadas als Siedlerstaaten gelegt wird. „Die Politik der Siedlerstaaten gegenüber den indigenen Nationen ist von ihrer Gründung bis heute durch eine Verbindung von Biopolitik und Geopolitik gekennzeichnet“, erläutert Dr. René Dietrich von der JGU, der zusammen mit Prof. Dr. Kerstin Knopf von der Universität Bremen die Konferenz organisiert. Diese beiden Aspekte, Bio- und Geopolitik, und ihre Auswirkungen auf Souveränität und Leben indigener Nationen sind zentrales Thema der Veranstaltung.

Unter Geopolitik lässt sich die andauernde Aneignung indigenen Landes durch Siedlerstaaten beschreiben, während Biopolitik erfasst, wie die USA und Kanada indigene Nationen als eine Bevölkerungsgruppe innerhalb der Siedlerstaaten konstruieren und ihnen bestimmte Lebensweisen vorschreiben durch Vertreibung und Eingrenzung auf Reservate, durch Praktiken der erzwungenen Assimilation oder durch anhaltende, verstärkte staatliche Überwachung. Wie an der Schnittstelle von Geo- und Biopolitik die Idee des Lebens selbst als eine politische Kategorie deutlich wird, die im Spannungsfeld von kolonialer Kontrolle und indigenen Formen der Souveränität und Selbstbestimmung steht, werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen bei der Konferenz „Biopolitics – Geopolitics – Sovereignty – Life: Settler Colonialisms and Indigenous Presences in North America“ diskutieren.

„Wir untersuchen, wie sich das Verhältnis zwischen den indigenen Nationen und den Staaten USA und Kanada in politischer Hinsicht gestaltet und wie sich diese Politik auf die Möglichkeiten, indigenes Leben zu verwirklichen, konkret auswirkt“, so René Dietrich. Zu der Tagung, die vom 25. bis 27. Juni 2015 an der Johannes Gutenberg-Universität stattfindet, werden zahlreiche Beiträge aus den USA und Kanada erwartet, darunter auch von indigenen Wissenschaftler/-innen wie Audra Simpson (Mohawk), Mishuana Goeman (Seneca) und Brian Hudson (Cherokee). Die Tagung findet im Rahmen des neu gegründeten Transnational American Studies Institute statt.

Quelle: Universität Mainz

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